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unmittelbar folgende Rune einsetzt '). Wenden wir nun das für den Anfang von e zweifellos richtige Buggesche Dechiffrierungsprincip an, zugleich aber auch hier die Alphabetgruppierung

bmlr hniast fuþærk, so haben wir in e 1 das t des Steines nicht durch b, sondern durch f zu ersetzen.

Mit Worttrennung, Verdoppelung derjenigen Runen, welche zugleich Wortaus- und -anlaut darstellen, und mit Andeutung der Zeilenschlüsse lautet unser Passus nach Bugge so:

sakum mukmini uaim si burin nipo traki uilin is þat. knuą knati ai un uilin is þat.

Wollte hier jemand, etwa mit Berufung auf Rökst. S. 82-83 und unter Nichtachtung von Rökst. S. 78, so argumentieren: da in knati nur die allerletzte Rune unchiffriert geschrieben sei, so sei auch in nipr nur die allerletzte Rune unchiffriert geschrieben, und eben deshalb dürfe man nicht nipin lesen, so wäre mindestens und auf alle Fälle zu erwidern, dass in dem Worte runimąþr, welches Bugge, höchstwahrscheinlich richtig, aus k herausliest, die zwei letzten Runen direct bezeichnet sind.

Der unzählige Male ?) als Thatsache constatierte und mit verschiedenartigen Hypothesen gerechtfertigte Unterschied in der Silbenanzahl zwischen sitir 6 2 und nipR ist also durchaus keine Thatsache, sondern bestenfalls selber eine blosse Hypothese.

1) Dass Bugge hier eine andere Gruppierung des jüngeren Alphabetes als sonst zu Grunde legt, haben Leffler, Antiqv. tidskr. f. Sverige VI, N:o 2, S. 6—7, und Stephens, O. N. R. M. III S. 47, offenbar gar nicht bemerkt; ja Bugge scheint es Rök & Fonnaas S. 52 und 58 selber nicht mehr zu wissen.

2) Z. B. Arkiv III S. 28, Fussn. 1; XII S. 251; Rök & Fonnaas S. 27; Bugge: Bidrag til den ældste skaldedigtnings historie (Christiania 1894) S. 14, Fussn. 1; Beiträge zur Gesch, d. deutschen Sprache XXI S. 432; Grundr. d. germ. Philol. I? S. 562.

Während die Ersetzung von nipt durch niplin Bugges Lesung anscheinend nur lautlich alterieren würde, schnitte die Ersetzung des bei Bugge wortanlautenden b durch f natürlich schon tiefer ein und bräche der Einschub des Doppelpunktes zwischen n und a des Buggeschen knati dieses Wort in zwei Stücke.

Gesprochen denkt sich Bugge unsern Passus etwa so: Sagum mögmenni, hwæim sei borinn niðr drengi: Wilinn es pat. Knyą knátti ai unn; Wilinn es pat. (Rök & Fonnaas S. 61). Er übersetzt: Vi fortælle alt Folket, for hvilken Helt der er födt en Ætling: Vilen er det. Oldefaderen kunde plöie Bölgen: Vilen er det. Und hiermit soll angedeutet sein, dass der zu Anfang der ganzen Inschrift genannte Vaamod der Urenkel des sonst nicht in der Inschrift genannten Seehelden Vilen gewesen.

Sehr erheblich namentlich im zweiten Theile abweichend hat, Bugges hierselbst S. 137 wiedergegebene Transscription in allen Stücken gutheissend, zwischen dem Druck und der Veröffentlichung von Rök & Fonnaas Rydberg in seiner Abhandlung Om hjältesagan å Rökstenen ') (Stockh. 1892) S. 21 und 42 unsern Passus übersetzt, nämlich so: Förtäljom folkminnet, åt hvilken hjälte en son födes: det är åt Vilin. Böljan sorle alltid för Knue, det är för Vilin.

Wie diese Übersetzung herauskommt, sehe ich wohl; aber wenn ich schon auf jeden sprachlichen Einwand gegen sie verzichte, wenn ich ferner das Ganze als eine nachträgliche Prophezeiung betrachte, ja wenn ich Rydberg gar blindlings glaube, dass Vilin identisch sei mit Vilmund, dem Geliebten der Borgny, und Vilmund, dem Enkel des Bose, und dass Knue identisch sei mit dem Cnebba des mercischen Königsstammbaums, so ist mir doch der Wunsch,

)

Vitt. hist. o. antiqv. akad:s handl. N. F. XI, N:o 6.

dass diesem Knue die Welle allzeit murmele, und die an diesen Wunsch gehängte Erläuterung, dass dieser Knue Vilin sei, oder dass, wenn die Welle dem Knue murmele, dies so viel heisse wie, dass sie dem Vilin murmele, ganz unfassbar. Und mehr Verständniss scheint diese Übersetzung auch bei phantasiereicheren Lesern bisher nicht gefunden zu haben.

Dagegen erfreut sich die Buggesche Deutung unseres Passus, Dank Schücks und Warburgs Illustrerad svensk litteraturhistoria I (Stockh. 1896), bereits einiger Popularität.

Wirkt nun aber diese Deutung wie manche andere Buggesche etwa einer Offenbarung gleich, alle minutiösen Zweifel ertödtend?

Auf mich nicht; mir ist ihre Syntax und ihr Stil unverdaulich.

Wenn in der ersten Periode unseres Passus die Frage aufgeworfen wird, "welchem Helden ein Abkömmling geboren sei", so kann die Antwort darauf nicht lauten: "Vilin ist das”. Auf eine solche Frage antwortet und antwortete man wohl nirgend: "Der und der ist das”. Dass aber der Verfasser unserer Inschrift auf eine solche Frage auch nicht, wie schon vor Rydberg Fredrik Sander: Hvem var Sigurd Fafnersbane? (Stockh. 1883) S. 2. und 169 gewollt'), mit: ”Dem und dem ist das” geantwortet hätte, sondern einfach mit: "Dem und dem”, ergiebt sich klar daraus, dass er in Abschnitt il auf die Frage "welche zwanzig Könige sassen

..", einfach mit dem nackten Nominativ geantwortet hat: "Die und die". Dass sich hiergegen die Strophe, die er als Antwort auf eine andere seiner Fragen citiert, nicht geltend machen lässt, ist wohl selbstverständlich; wenn er in unserm Falle mit einem inhaltlich completen Satze etwa: Vilin konnte die Welle pflügen" antwortete, so wäre auch das syntaktisch unanstössig.

') Mit Doppellesung des i hinter uilin.

.

Wollte aber jemand in unserm Passus etwa übersetzen:

wem ein Abkömmling geboren sei. Einem Helden. Vilin ist das", so spräche hiergegen erstens die Verschrobenheit des ganzen Ausdrucks, zweitens der Mangel der Interpunktion sowohl vor als hinter trąki, und drittens das "das", an dessen Stelle man in diesem Falle "der" erwartete.

Dies letzte, soeben nur hypothetisch gemeinte, Bedenken erhebt sich bei Bugges Übersetzung in Wirklichkeit dem zweiten "Vilin ist das” gegenüber. Nach "Der Urahn konnte die Welle pflügen.” sollte es zum Mindesten weitergehen: : "Vilin ist der". Ich sage: "zum Mindesten", weil ein ganz Unbefangener sich auch noch nicht so leicht mit "Vilin ist der" zufrieden gäbe, sondern erwarten würde "Vilin war der”. Ich bin nicht sicher, dass Bugge nicht meint, der Urahn sei zur Zeit noch am Leben, könne jedoch die Welle nicht mehr pflügen; aber ich vermuthe, dass wir die "ist” eben so wie das "sei” der Frage und das verblüffende angebliche Praesens in Abschnitt h -- womit sich die Praesentia der

h Frage in d nur sehr von Weitem vergleichen lassen als dichterische Vergegenwärtigungen hinnehmen sollen; denn Vilin, der in Bugges erster Abhandlung Grossvater war, ist in der zweiten Urgrossvater geworden, und dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er noch am Leben sei, natürlich etwas verringert.

Aber mag er nun am Leben oder todt, Grossvater oder Urgrossvater sein, was in aller Welt soll überhaupt diese emphatische Wiederholung seines ja eben erst genannten Namens? Wozu dies noch malige ”Vilin ist das”, dieser Refrain, dem sich die sonstigen auf dem Steine vorkommenden Wiederholungen durchaus nicht an die Seite stellen lassen? Warum dieses Pathos? Purer Ahnenstolz? Das leuchtete mir nicht ein, und wenn Vilin ein Welteroberer gewesen wäre!

Stephens hat durchaus Recht, wenn er "the jubilant character of the whole announcement, and ... the repeated "sich gegen

Hurrah-shout, UILIN IS ÞAT!" in Bugges Übersetzung als "tasteless" empfindet (0. N. R. M. III S. 56) '). Er selber legt sich unsere Stelle auf seine Weise so aus, dass Wilin weder der Grossvater noch der Urgrossvater des Wamuth, sondern dessen Sohn, vielleicht sogar nachgeborener Sohn, und alleiniger Stammhalter ist.

Ja, wenn dem so wäre, dann könnte man sich das Pathos gefallen lassen! Leider jedoch ist dem nicht so; denn gegen Stephens' Übersetzung unserer Stelle lassen sich selbstverständlich noch ganz andere Einwände erheben als gegen Bugges.

"Aber was hilft es” wird man meinen jene pathetische Wiederholung so zu sträuben, wenn der Stein sie doch in klaren Runen aufweist?"

Ja, die Wiederholung ist allerdings nicht zu bestreiten, aber um das Pathos kommen wir vielleicht herum!

Es ist sicher, dass die zweimalige Runenfolge uilinispat, wie Bugge erkannt hat, als unchiffrierte Schrift genommen werden muss, und überaus wahrscheinlich, dass sie, wie bei Bugge, einen syntaktisch vollständigen Satz darstellt, dessen Verbum is und dessen Subject þat ist. Nennen wir den Rest, der sich ja blindlings nicht sauber von dem is abtrennen lässt, vorläufig unbesehens x, so haben wir also zweimal die Aussage "x ist das”.

Da wir dem Pathos bewust ausweichen wollen, so müssen wir vor allen Dingen annehmen, dass mit dem ersten "das" etwas Anderes nicht nur, wie bei Bugge, grammatisch Anderes, sondern realiter Anderes

gemeint ist als mit dem zweiten "das”. Da aber von beiden ein und dasselbe ausgesagt wird, nämlich, dass sie x seien, so liegt es nahe zu vermuthen, dass das mit "das” Gemeinte beidemale aus einer und derselben Sphäre stamme, in einer und derselben

1) Eben so, nur auf schwedisch, schon Antiqv. tidskr, f. Sverige V S. 174.

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