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biges Einkommen dabei gefunden zu haben, dass es ihm bei sparsamer Verwaltung des Seinigen möglich ward, sich durch den Ankauf eines mässigen Ackerlandes 6) eine sorgenfreie und unabhängige Stellung zu bereiten. Da er mit den edelsten menschlichen Tugenden geschmückt war, so verliehen diese ihm jene hohe Weisheit, mit der Fülle eines reinen Gewissens unbefangen und frei in seinem Innern, befriedigt mit seinem Berufe, ausgesöbnt mit der Gegenwart zu leben, ohne darum aus irgend einer Rücksicht den Kampf aufzugeben mit widerstreitenden, unsittlichen Elementen seiner Zeit. Jeder Zug seines Characters, den der Sohn im Gefühl reiner Dankbarkeit uns aufbewahrt, stellt ihn als einen Mann von grosser Lebensklugheit, von altrömischer Strenge und Sittenreinheit, der eigentlichen Krone aller Tugenden , und, was in Zeiten moralischer Entartung sich gern damit paart, von der lautersten Gradheit in seiner Denk- und Handlungsweise dar: Eigenschaften, welche er durch frübbegonnene, consequente Leitung schon auf den Knaben zu übertragen verstand. Mochte er ihn vor eiteler Leerheit warnen, vor Habsucht oder Verschwendung; mochte er ihm Vorschriften über erlaubte oder unerlaubte Sinnengenüsse geben: er nahm seine Regeln allein nach dem Massstabe wahrer Ehre und wusste schon des Jünglings Eifer für ein ideales Vorbild zu befeuern, indem er durch Vergleichung makelloser und befleckter Sitten die Schärfe des jugendlichen Urtheils übte, die an der Natur des Mutterlandes zuerst erwachende Dichterphantasie läuterte, den Verstand auf Beobachtung und Beurtheilung menschlicher Zustände und Charactere hipleitete. So an frühe Reflexionen über sich und die Welt gewöhnt und bis zu reiferen Jahren bewacht von dem Geistesadel seines im Sklavenstande geborenen Vaters, gewann der Unmündige schon die Grundsätze, nach denen er sich frei erhielt von jedem befleckenden Laster und an jener Grundlage einer edelen Erziehung unwandelbar festhaltend, das Ergebniss seiner Betrachtungen für Mit- und Nachwelt erfolgreich verwendete.)

sen.

Hor. l. c. andeutet, mit jenem Amte noch mancherlei Nebengeschäfte verbinden lies

Namentlich mögen die coactores, in Uebereinstimmung mit ibrem umfassenden Titel, sich überhaupt zur Beitreibung aller Schulden für Geldwechsler, Kaufleute, Mäckler u. a. verstanden haben. Jedoch schied man coactores auctionarii, mercenarii, argentarii oder collectarii (8. Schol. Cruq. I. c.), von denen die c. argentarii einen gewissen Vorrang vor den übrigen scheinen gehabt zu haben. S. Sueton. vit. Vespas, C. 1.

Die Decorien der Ausrufer (praecones) standen, wie ihre Geschäfte mecbanischer waren, auch in geringerem Ansehn, als jene. Dass H.' Vater zu diesen nie gehörte, bemerkt schon Masson. vit. Hor. p. 13. mit Recht, indem er auf die falsche Deutung der Worte Sat. 6, 86 binweist.

6) Sat. I, 6, 71 heisst er macro pauper agello. Dass er sich das kleine Besitzthum erst erwerben musste, liesse sich nach seiner Abkunft von selbst schliessen, wenn es der Sohn auch nicht ausspräche. Sat. I, 4, 108.

7) Nach welcher Methode in den Kinderjahren H. vor den meisten seiner Zeitgenossen von edler Geburt sorgfältig geleitet wurde, liegt zerstreut in den Schriften des Dichters vor Augen, vornehmlicb in Sat. 1, 4. I, 6. Nehmen wir die wesentlichsten Züge heraus, so verlobnt es sich, diese mit dem Bilde zu vergleichen, welches von einer zu wahrer Tugend führenden Erziehung Protagoras beim Plato p. 325 B. C. entwirft: επειδάν θάττον συνιή τις τα λεγόμενα, και τροφος και μήτης και παιδαγωγός και αυτός ο πατήρ περί τούτου διαμάχονται, όπως ως βέλτιστος έσται ο παίς, παρ' έκαστον και έργον και λόγον διδάσκοντες και ενδεικνύμενοι ότι το μεν δίκαιον, το δε άδικον και τόδε μεν καλόν, τόδε δε αισχρόν, και τότε μεν όσιον, τόδε δε ανόσιον, και τα μεν ποίει, τα δε μή ποίει.

μετά δε ταύτα εις διδασκάλων πέμποντες πολύ μάλλον εντέλλονται επιμελείσθαι εύκοσμίας των παίδων ή γραμμάτων μ. 8. w. Heisst es weiter, dass ein αναγιγνώ

Nach diesem war es wichtig, den Geist in eine den Fähigkeiten entsprechende Thätigkeit zu versetzen, um die noch ungebundene Phantasie an die Stützpunkte eines positiven Wissens zu knüpfen. Der Vater fand auch dafür den richtigen Weg, weil mit jenen hohen Tugenden der Seele sich Klarheit und Einsicht in die verborgenen Keime menschlicher Naturanlagen zu verbinden pflegt. Wird daher vom Sohn auch in der blühendsten Epoche seines Lebens noch als höchstes Glück anerkannt, dass er einen solcheu Vater t) gehabt habe: so liegt der Grund dieses oft geäusserten Gefühls theils in dem sittlichen Werthe beider und dem vollkommenen Einverständniss ihrer Individualitäten, theils in der seltenen Aufopferung und in dem Muthe des Vaters, womit dieser trotz jedes Einwurfes berechnender Alltagsklugheit einer höhern Ausbildung des Jünglings alles zum Opfer bringt und über die Schule der Vaterstadt hinausgeht, ob auch die Kinder angesehener Centurionen darin ein Genüge fanden. 8) Nicht genug, dass er Rom als den Mittelpunkt, wohin die Reste Griechischer Wissenschaft zu erneuertem Wiederaufleben sich geflüchtet hatten, erwählt, damit dem Sohn eine umfassende Kenntniss des Alterthums, der Poesie, der Rhetorik und Philosophie 9) zu Theil werde: auch von seinem Amte sogar sagt er sich los, um den Unmündigen 10) in die grosse Welt zu geleiten und in allen zweifelhaften Fällen des Lebens als ein wachsames und warnendes Vorbild zur Seite zu steho.

Horatius befand sich nun in Rom und erschien er zu jung, um die Wirkungen, welche die grossartigen Zustände jener in politischer und wissenschaftlicher

σκειν ποιητών αγαθών ποιήματα και εκμανθάνειν sich angeliliesse, durch die der Knabe zur Nacheiferung edeler Männer angespornt werde: ko könnte H. nach jener Anleitung seine erste Erziehung bekommen zu haben scheinen.

+) Ein solcher sanctus wie Cicero ibn nennt fuerorum amor gegen die Eltern war schon itzt unter den Römern eine grosse Seltenheit und erinnert uns gleichfalls an die grössere Reinheit Griechischer Knabensitten, wie des gesammten häuslichen Lebens. Denn gleichwie die jungfräuliche Blödigkeit edeler Griechen - Jünglinge gegen ein erfahrneres Alter gerühmt wird (Vgl. Hor. Sat. I, 6, 56 sq.), ebenso und noch strenger gebot die Gesetzgebung Ehrfurcht und Gehorsam gegen die Götter und gegen die Eltern. S. Arist. Nob. 988–93. Vgl. Aeschin. orat. c. Timarch. S. 6 sq.

8) Ein gewisser Flavius, der nur dem Hor. die Erhaltung seines Namens verdankt (Sat. 1, 6, 72.), hatte zn Venusia eine Rechenschule, die übrigens von den Stadtkindern aus den bedeutendsten Häusern besucht wurde. Magni Centurionés haben nach H. ihre Kinder dahin geschickt, wie nicht ohne Spott von ihm bemerkt wird; denn jene waren als Verächter jeder böberen Bildung in demselben Masse übel berüchtigt, als sie selbst einer solchen ermangelten und nur auf robe kriegrische Tugenden etwas gaben. Treffend ist daher die Charakteristik bei Pers. Sat. III, 77 s. Das. V, 189 s., wo sie eine varicosa und bircosa gens beissen, und der Vergleich mit ibnen und jener Classe in Athen, die sich auf ihre uaozóhas inpcaódels etwas zu Gute thaten. S. Casaub. z. Theopbr. p. 199.

9) Nur Vornebmere d. h. Senatoren und Römiscbe Ritter liessen ihre Kinder eigentlich in den artes liberales unterweisen. Ibnen schloss sich H.' Vater bierin an, weil er offenbarer Feind war der gemeinen Richtung, welche mehr und mehr in die Jugendbildung eindrang und nach der nur Kenntnisse erfordert wurden, um das Vermögen einmal verwalten, vor allem 'vermehren zu können. Sat. I, 6, 72–75. A. P. 323 s. Vgl. Epist. 1, 1, 52–56. II, 1, 103 sq.

10) Masson. vit. Hor. schliesst mit Recht aus der Vergleichung von Sat. I, 6, 76. Epist. II, 1, 70-71. II, 2, 41–42, dass H. kaum das zehnte Jahr mochte erreicht haben, als er nach Rom kam. Da auch der Unterricht bei dem alten Orbilios in Rom (8. unten) ein unreiferes Alter voraussetzt, welches kaum der Schule des Flavius entwachsen war, und alle Erinnerungen aus Venusia grade die Jahre der Kindheit be

Gälirung befangenen Weltstadt üben konnten, sogleich zu empfinden: so waren sie
dennoch unverloren für die wahrhaft empfängliche Natur, um so mehr als noch ein
sorgenfreies, sogar an Abaengut erinnerndes Leben 11) alle nothwendigen Wünsche
befriedigt 'und die freieste Geistesentwicklung unentweiht sali von gemeiner Sorge
um das Vergängliche. Wie aber auch der Umschwung politischer Ideen und die
verzerrtesten Extreme des Knaben Gemüth berühren und den Grund legen moch-
ten zu einer reineren Begeisterung für die schmählich verletzten Formen der repu-
blicanischen Verfassung: um vieles wirksamer erwies sich das immer siegreichere
Hervortreten jener gesitteten Zustände, welche die Kunst und Wissenschaft nicht
mehr als blosse Zugabe des 'politischen Wirkens, sondern in schöner Eintracht mit
demselben und sogar als Zweck' an und für sich schätzen lernten. Daher blieb die
Pflege dafür nicht mehr Staatsmännern allein überlassen, sondern sie wurde von den
fähigen Köpfen gleichviel welches Ranges übernommen, wozu die unversiegende
Fülle von Kunstmitteln und Bücherschätzen 12) und selbst die Aufmunterung libe-
raldenkender Optimaten fördernd mitwirkte. Die Schulen der Grammatiker 13) und

zeichnen, aus denen klarer bewusste Zuständc für die spätere Zeit soeben nur zurück-

bleiben (8. Sat. II, 2, 112 e. Od. III, 4. v. A.): 80 wird jener Ortswechsel schwerlich

über 696 Q. c. binauszulegen sein, wo Horatius noch die toga praetexta trug, für ihn
das Zeichen seiner Ingenuität. Macrob. Saturn. I, 6. Casaub. 2. Pers. Sat. V, 30.

**11) Mancher in Rom, sagt H., bätte beim Anblick meiner Kleidung und Diener-

scbaft glauben können, avita ex re praeberi sumtus mibi illos. Sat. I, 6, 80.

12) Schon im J. 686 1. C. wurde nach Besiegung des K. Perses eine nicht un-

beträchtliche Büchersammlung durch Paullus Aemilius nach Rom gebracht; dann später
im J. 668 durch L. Sulla; im J. 690 durch Lucullus aus der Pontischen Beute, von

denen letzterer wenigstens mit schöner Liberalität seinen Privatschatz allen zur Be-

nutzung gestattete. S. Plut. vit. Luc. c. 42. Auch darf hier die den Freunden ge-

öffnete Bibliothek des Terentius Varro and die bedeutenden Sammlungen des Cicero

genannt werden (ad Att. Epp. , 7. 10. 4 extr.), welche er auf seinen Landgütern

batte and von denen der Sklave des Cicero diebischer Weise viele Bücher ins grössere

Publicum brachte. - Ep. ad Div. XIII, 77. Fehlte es nun auch noch an eigentlich

öffentlichen Bibliotheken, bis Asinius Pollio im J. 715. U. c. eine, Augustus zwei der-

selben im J. 721 und 726, die Octavianische und Palatinische, stiftete: 80 wurde es

doch mit jedem Jahr leichter, sich einen eigenen Griech. und Röm. Büchervorrath

anzuschaffen, um so mehr als es noch an solchen Narren fehlte, die, selbst obne

Kenntniss, einen solchen ankauften und ibn zum Schein und zur Ostentation bewachten.

S. Senec. de tranq. anim. 9. plerisque, ignaris etiam servilium litterarum, libri non

studiorum instrumenta, sed coenationum ornamenta sunt ctt. Vgl. Auson. Epigr. 44.

So batte denn Horatius später und viele seiner Freunde ihre eigenen Sammlungen be-

sonders Griechischer Klassiker.

13) Der Beruf der Grammatiker eine Benennung, welche von den Griechen

im J. 686 u. c. in Rom angenommen wurde, war zu Ciceros Zeit ein so umfassen-

der geworden, dass ein sehr ernstes Studium dafür erfordert wurde. Nicht bloss die

Worterklärung der Dichter und die Aussprache (Cic. de orat. I, 42.), sondern auch

der Vortrag über die Geschichte wurde von ihnen gefordert. (Senec. Ep. 88 init.)

Sollte dem ersteren ganz genügt werden, 80 war ein inniges Einverständniss mit sei-

nem Schriftsteller und ein divinatorisches Ahnungsvermögen untrennbar davon, (Cic. de

divinat. I, 18.) und nicht minder sah man auf die richtige Wahl im Ausdruck mit sol-

cher, Strenge, dass ein Verstoss dagegen als Sünde ausgelegt wurde (Cic. Tuscul. II,

4, 2.), wessbalb der Grammatiker denn auch der eigentliche Lehrer der Rhetorik wurde

und eine Vorschule zu höherer Beredsamkeit gab. (Sueton. de ill. Gram. 4.) Hor.

Epist. I, 19, 40 u. A. P. 78 nimmt Grammaticus (Vgl. Ep. JI, 1, 51) im engeren Sinn

fir Criticus (Vgl. Wolf. Proleg. ad Hom. p. 233–34.) und wir lernen aus der ersten

St., dass bald die Grammatiker ibr früheres Ansehn nicht mehr behaupteten, theils

weil sie als Ausleger und Kunstrichter mitlebender Dichter (Meinek. Euphor. p. 17.

Rhetoren führten in die allseitige Kenntniss Griechischer Litteratur ein: die Bedingung für. die Römische Bildung überhaupt, wie für den einzelnen Schriftsteller. Freie Uebertragungen oder Entlehnungen erweiterten den Reichthum der Ideen und Wörter, der Bilder und Redegattungen und adelten den Geschmack zum Bedürfniss reinerer Kunstformen. So erneuert sich in dieser Entwicklungsepoche die Römische Geschichte und Beredsamkeit trotz des Widerspruches kurzsichtiger Beschränktheit; so betritt die Philosophie und ihre Geschichte die erste und zugleich vollendete Bildungsstufe 14) und wird bekleidet mit dem Glanz einer von der Menge mehr geahneten , als wirklich erkannten Sprach- und Begriffsfülle. Die Prosa war somit durch Hortensius, Cicero, Cäsar u. a. auf den Gipfel der Vollendung geführt, denn sie hatte alle der Sprache nur möglichen Formen für den Ausdruck gefunden, und der neuen Generation blieb die gleiche Vollendung auf Eins zu übertragen noch vorbehalten, auf die Dichtkunst. Denn diese lag, wie das Leben und die Sitten der Zeit, aus welcher sie stammte, in der Einseitigkeit eines veralteten Vortrags befangen, der sich allein noch in den Formen einer starren oder entnervten, einer platten und aus Griechischer Quelle geistlos bereicherten Darstellungsweise bewegte und darin seinen selbstvernichtenden Stolz fand, unbekümmert um den Fortgang der prosaischen Litteratur , wie um das Verlangen eines reineren Geschmackes nach kunstgerechter Poesie. Man wollte wiedererneuern die Rechte eines Livius Andronicus, Nävius, Pacuvius, eines Plautus, Cäcilius, Afranius, 'Lucilius u. a. und nicht erkennen, dass in diesem Rückgang selbst die Unhaltbarkeit des Bemühens ausgesprochen liege. Nur einzelne mochten es sich gestehen, dass das Gebiet der Dichtkunst ein verwaistes sei und vielleicht aus der vorherrschenden Nachabmung der Alexandrinischen Kunstpoesie einmal die Frucht für ein neues Jabrhundert aufgehen könne; aber sie drangen nicht durch, ob auch das unklar Gedachte und dunkel Empfundene als ein Vorhandenes schon gelten durfte und ihm nichts mehr fehlte, als der Ausdruck.

An diesem Ort, in dem das gesamte Griechische und Römische Alterthum sich in Eins zusammendrängte, empfängt der junge Flaccus seine erste Bildung und gebührt dem Vater allein dafür, dass er sich selbst vergass in jener Plicht gegen den Sohn, der erste und höchste Rang unter den Erziehern und Jugendlehrern : so. nimmt der bekannte Orbilius Pupillus von Beneventum nicht grade den letzten unter ihnen ein. Der Umfang seiner grammatischen und historischen Kenntnisse

Not. Weichert. de Helv. Cinna p. 184. Ed. Lips.) durch scharfe oder angerechte und besonders dem neuen, besseren Geschmack widerstreitende (Voss. z. Virg. Eclog. III, 90.) Critiken sich Feinde erweckten , theils durch Geistlosigkeit und minutiose Albernheiten ihr Studium ausser Credit setzten. Ebenso wie man die auditio und lectio auctorum in den Schulen der Grammatiker übte, besuchten die Dichter, Geschichtschreiber und Weltweisen die Rhetorenschulen mit demselben Eifer und versuchten sich auf dem Forum , wofür Ovidius , Lucanus, Asinius Pollio, L. Seneca ausser anderen als Beispiele gelten können.

14) Nach Einwanderung dieser Wissenschaft aus Griechenland (598 0. c.) werden ons freilich schon viele Namen Römischer Philosophen genannt, die in allen Systemen, etwa mit Ausnabme des Peripatetischen, dachten und wirkten, aber sie waren unbeholfen in ihren Gedanken, arm und trocken in ibrer Sprache, so dass Cicero keinen von ibnen lesen und mit Recht sagen konnte: philosophia iacuit usque ad hanc aetatem nec ullum habuit lumen litterarum latinarum. in quo eo magis nobis est elaborandum, quod multi iam esse latini libri dicuntur scripti inconsiderate ab optimis illis quidem viris , sed non satis eruditis. ctt. Tuscul. disputt. 1, 3, 5.

neben der Auslegung der Dichter hatte ihm früh einen gewissen Ruf erworben und der Eifer und Erfolg, womit er in jüngeren Jahren seinem Beruf oblag, dem er nach langer Unterbrechung in Rom unter dem Consulate des Cicero sich wieder unterzog, konnte das Zutrauen zu ihm nur befestigen. Liess er daher auch seinem Naturell, welches die traurigsten Erfahrungen 15) während der beinah hundertjährigen Lebensdauer bis zu sarkastischer Bitterkeit steigerten, im Zorn gegen Antisophisten und Unfug in der Kindererziehung 16) freien Lauf: so lenkten solche Eigenschaften wohl vornehmlich die Aufmerksamkeit derer auf ihn, welche, alter Römersitte zugethan, es erkannt hatten, dass die Gewalt jugendlicher Triebe nur durch strenge Handhabung der Gesetze in sichere Schranken zu fassen sei. 17) Mag es daher auch sein, dass seinem Unterrichte manch veraltetes Vorurtheil zu Grunde lag; dass die Knaben ihren Homer und Livius Andronicus fertiger lesen, als verstehen lernten: immer wird seine Methode frei gewesen sein von jenen Albernheiten und unfruchtbaren Künsten, wodurch die Lüge und der Ehrgeiz vieler Grammatiker schon damals den naturg sen Stufengang erster Geistesentwicklung übereilte oder umkehrte. Und so dürften wir denn auch die Lehrjahre bei jenem Begründer einer wissenschaftlichen Richtung, dessen handgreifliche Eindrücke noch in späten Jahren manchem seiner Schüler lebendig vor der Seele stehen 18), in demselben Masse zu einem der ersten glücklichen Begegnisse in der grösseren Welt zählen, als ihr sittlicher Einfluss auf Character und Denkweise des jungen Flaccus nicht abgeläugnet werden darf. Ob der Jüngling gleich anderen sich beeilte, alsbald in die Rhetorenschulen überzugehen; ob er sie, wie die schon gebundnere Staatsform es mit sich brachte, als einen durch Sophismen belebten Tummelplatz und der alten Freiheit ermangelnde Vorübung zur practischen Laufbahn weniger beachtete, steht dahin. Dass er aber überhaupt seiner Plicht auch von dieser Seite Genüge that 19),

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15) Sueton. de illustr. Gramm. c. 9 init.

16) Sueton. I. C., wo wir erfahren, dass er sogar eine besondere Schrift: Perialogos (wahrscheinlich Teplaayńs. S. Toup. Emend. III, 134. Meinek. quaest. scen. II, 22.) herausgab, in welcher er sich über den Unverstand der Eltern beschwerte, womit sie die Bemühungen der Lehrer um die Kinder vereitelten. Hierin mag zum Theil der Grund zu suchen sein, warum es dem alten Grammatiker nie, selbst nicht in unseren Zeiten an Feinden und Verläumdern gefehlt hat. Er theilte daher auch mit anderen das gemeine Loos, dass er zu Lebzeiten kein Brod bekam, aber nach dem Tode einen Stein. Sueton. I. c. Ein besseres Andenken ist ihm errichtet in neuester Zeit in Jahns Jahrb. f. Philol. I, 3. 1829. pag. 364 sq.

17) Dass H.' Vater zu diesen gehörte, denen es am Herzen lag, traditum ab antiquis morem servare, sagt uns der Sohn Sat. I, 4, 117, der gleichfalls alte, strenge Zucht unerlasslich für sein Zeitalter bält. Besonders die Sabiner, welche auch Cicero fortissimi, tløs Italiae ac reipublicae robur nennt, gelten ihm als Muster reiner und strenger Sitten (z. B. Od. III, 6, 37 s.) für den entarteten Römer.

18) Hor. Ep. II, 1, 69 nennt ihn deshalb plagosum und ein anderer Schüler von 0., Domitius Marsus individualisirt jenes noch genauer: si quos Orbilius ferula scaticaque cecidit. Daber auch vielleicht eine Anspielung des Hor. auf ihn Epist. I, 18, 12

13; worin übrigens um so weniger eine Bitterkeit oder ein Vorwurf enthalten ist, als körperliche Züchtigungen etwas nicht ungewöhnliches waren, mochte es sich um Unachtsamkeit oder Ungeschicklichkeit handeln. S. Plaut. Bacchid. III, 3, 29 - 30. laven. Sat. I, 15. Martial. X, 62, 10. XIV, 80, 1. Dasselbe beweist Quinct. I, 3, 14, wenn er sich gegen jene Methode erklärt. Ueberhaupt suchen wir in H'. Schriften vergebens nach hämischen Andeutungen auf den alten Lehrer, wie andere sie sich wobl erlaubt haben (S. Weichert de Furio Bibaculo p. 357) und die in Epist. I, 20, 17 - 18 sein würde, wenn ihre Beziebung gewiss wäre.

19) Die Lehrer, welche ihm sein Vater in der Rbetorik erwählte und zu denen

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