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2907172B

ASTOR, LENOX AND
TILDEN ADUNDATIONS
R
1944

L

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Vorwort.

Wiederholt ist an mich das Verlangen gestellt worden, im Anschlusse an meine „Geschichte der deutschen National - Litteratur“ eine Auswahl deutscher Gedichte zu veranstalten. Längere Zeit glaubte ich Bedenken

“ tragen zu müssen, diesem Wunsche zu entsprechen, da ich mir nicht verhehlte, daß bereits zahlreiche Anthologicen und Gedichtsammlungen, darunter auch in ihrer Art vortreffliche — ich nenne nur die weitverbreitete Echtermeyeriche vorhanden seien. Wenn ich gleichwohl endlich die gewünschte Sammlung veranstaltet, so ist es geschehen, weil ich mich der Einsicht nicht verschließen konnte, daß eine Auswahl, die wie die vorliegende im Unterschiede von anderen sich an meine Geschichte der deutschen National-Litteratur anschließt, den Freunden dieser die besten Dienste leisten und für die Behandlung des Gegenstandes höchst ersprießlich und fruchtbringend sein müsse.

Dieser Zweck ist auch für die Anlage und den Charakter des Buches bestimmend gewesen. Es kam bei dieser Sammlung nicht wie z. B. bei der von Echtermeyer auf einen stufenmäßigen Fortgang vom Leichteren zum Schwereren an. Auch der dort erstrebte einheitliche Zusammenhang der einzelnen Stücke lag außerhalb meiner Absicht. Insbejondere lag es mir fern, „historische Vollständigkeit“ zu erzielen und wo möglich dafür Sorge zu tragen, daß jede historische Persönlichkeit und jedes bedeutende historische Ereignis eine poetische Vertretung fände. Sammlungen, welche darauf großen Wert legen, haben eine gefährliche Klippe nicht vermeiden können und manches Gedicht nur um dieses seines historischen Inhaltes willen auf genommen, so daß mancherlei jaft- und kraftlose Produkte, bloße historische Reimereien neben Vortrefflichem Platz gefunden haben.

Der Bestimmung des Buches entsprechend konnten in die vorliegende Sammlung nur Dichter aufgenommen werden, die auch in der Litteraturgeschichte eine Stelle gefunden haben, und da die Sammlung nur Ganzes und in sich Abgeschlossenes enthalten sollte, so mußten alle Bruchstücke aus dem Gebiete des Epos, des Dramas, sowie der Proja ausgeschlossen werden. Wenn dennoch Abschnitte aus Rückerts Weisheit des Brahmanen 2c. aufgenommen worden sind, so bedarf dies kaum einer Rechtfertigung. Diese Stellen sind in sich abgerundet und gleichen Perlen, die leicht losgelöst werden konnten, also für sich ein Ganzes bilden, jo daß deren Aufnahme nicht dem sonst befolgten Prinzip widerstreitet.

Indem die „Auswahl“ nur kräftige und gesunde Nahrung für Geist und Gemüt zu bieten sucht, will sie wenigstens teilweise dazu beitragen, daß Goethes Wort sich erfülle, man solle feinen Tag verstreichen lassen, ohne ein schönes Bild zu sehen, eine schöne Musik zu hören und ein schönes Gedicht zu lesen.

Altenburg, im Juni 1877.

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Vorwort zur vierten Auflage.

In der Zeitschrift für den deutschen Unterricht, herausgegeben von D. Lyon,“ 2. Jahrgang, 3. Heft, S. 210--219 hat eine anerkannte Autorität auf diesem Gebiete, Herr Dr. O sfar Erdmann, vormals Professor an der Universität Breslau, jetzt in Kiel, meine Auswahl deutscher Gedichte eingehend besprochen. Er sagt darin 11. a., „Ich habe nach einer solchen Ausivahl beim Unterricht von Schülern und Schülerinnen höherer Lehranstalten lange gesucht, ohne eine mich allseitig befriedigende zu finden. Der leyte Band des Lesebuches von Hopf und Paulsiet z. B. ist gut angelegt, aber zu dürftig ausgestattet. Echter meyer giebt zu viele überhaupt nicht, oder nicht für die obern Nlassen passende Gedichte, außerdem in schwer begreiflicher Anordnung. Das alte Buch Gödefe, Elf Bücher deutscher Dichtung, ist für gelehrte Zwecke noch immer ausgezeichnet, nicht für den Schulgebrauch. Wolffs poetischer Hausschatz ist vortrefflich, aber allzu umfangreich und teuer. Unter allen mir bekannt gewordenen Sammlungen gebe ich für den bezeichneten Zweck dieser Auswahl von Nluge den Vorzug." Er schließt seine ausführliche und gründliche Besprechung mit den Worten: „Mein Schlußurteil über Kluges Auswahl deutscher Gedichte lautet also: Sie ist ein vorzügliches Buch für Schule und Haus, sehr geeignet für die oberen Klassen der Gymnasien und Realgymnasien, ebenso aber auch für die Mädchenschulen und Seminare. Und weil sie ohne Streben nach falscher Volkstümlichkeit durchweg kräftige und gesunde Nahrung für Geist und Gemüt bietet, so ist auch Lehrern und Zöglingen der Mittel- und Volksschulen ihr Gebrauch durchaus zu empfehlen. Hoffentlich trägt sie dazu bei, daß in teilnahmsvollem Genusse unserer nationalen Dichtung sich verschiedene Bildungskreise und Bildungsstufen mehr berühren und vereinigen, als es bisher möglich gewesen ist.“

Ein jo wohlwollendes Urteil von jo berufener Seite war für mich ein Sporn, mein Buch immer mehr zu vervollkommnen. Aus dicicil Grunde sind auch die in der Besprechung enthaltenen Wünsche, so weit dies möglich erschien, gewissenhaft berücksichtigt worden.

Auch einen von anderer Seite ausgesprochenen Wunsch, einige unserer bedeutendsten Volkslieder aufzunehmen, habe ich gern erfüllt.

So möge das Buch auch ferner christlichen und vaterländischen Sinn in den jugendlichen Herzen pflanzen und dieselben für die ewigen Ideen des Guten, Wahren und Schönen begeistern.

Altenburg, im Mai 1890.

Hermann Kluge.

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Ernst Moritz Arndt
Rudolf Baumbach
Friedrich Bodenstedt
Gottfried August Bürger
Adalbert von Chamisso .
Matthias Claudius
Felir Dahn.
Annette Elisabeth, Freiin von Droste-

Hülshoff
Karl Egon Ebert
Joseph Freiherr von Eichendorff .
Ernst Freiherr von Feuchtersleben
Theodor Fontane .
Friedrich Baron de la Motte Fouqué
Ferdinand Freiligrath
Emanuel Beibel
Christian Fürchtegott Gellert
Karl Gerot..
Johann Wolfgang von Goethe
Martin Greif
Franz Grillparzer
Klaus Groth
Anastasius Grün
Friedrich von Hagedorn.
Albrecht von Haller
Wilhelm Hauff
Friedrich Hebbel
Johann Peter Hebel
Heinrich Heine
Johann Gottfried Herder
Georg Herwegh
Friedrich Hölderlin

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