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Friedrich Ludwig Karl Weigand,
Doctor ber Philosophie , ordentlichem Lehrer an der Großherzoglichen Realsmule
zu Gießen, des Weglar'schen Vereins für Geschichte und Alterthumsfunde correspon-
direndem und der Gesellschaft für deutsche Sprache zu Berlin außerordentlichem

Mitgliede.

Dritter Band.
S-3, Nachträge und Register.

M a inz
Drud und Berlag von florian tupferberg.

1843.

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1566. Sache. Gegenft an d. Ü. Das worauf eine geiftige Anschauung gerichtet ift. V. Die Sache bez. dieß an sich, ohne Rüdsicht auf ein vorstellendes Wesen und als etwas Unpersönliches (Vgl. Sade Nr. 481.). Der Gegenstand aber, worüber 1. Nr. 793., ist immer ein Vorgestelltes (geistig Angeschau: tes) in Rüdficht auf ein vorstellendes Wesen (Subject). So spricht man z. B. bei einer Begebenheit von der Sade ( don mhd. dises mæres sachewalte = der Gegenstand dieser Geschichte. Parzival 112, 17.] oder dem Gegenstande, wovon es sich bandle; aber bei gewaltsamen Bolfsaufftänden ist es eine befannte Sade, daß Leben und Befiß vieler Menschen unsicher werden, und bei einer Rede behandelt der Redner immer einen Gegenstand, den er den Zuhörern vorführt.

1567.' Ġad walter. Anwalt. (Advocat). Ü. Wer eines Andern Rechtsangelegenheit für diesen führt, - gleidsam der für einen Andern rechtsangelegenheitlich Waltende. V. Der Sad walter, niedersächs. sakewolde, ist zunächst der einen Rechtsstreit für einen Andern führende", v. . aus goth. sakan u. abb. sahhap = „anklagen“ abgeleiteten ahd. sabha u. mhd. sache Sache = Klage, dann Rechtsstreit, Gegenstand der Gerichtsverhandlung (S. Nr. 481. Anm.), woher auch z. B. ahd. sahho Ankläger, gasachio Gegner vor Gericht, der mit dem man den Rechtsstreit (die Sache) hat, u. s. f. Ehedem ist der sachwaltige kläger (Sachsenspiegel I, 7.), wie der sachewalte, was auch s. v. a. Gegner im Rechtsstreit, also felbft Angeklagter sein kann. In weis terer Bed. aber' ist unser Sadwalter = Rechtsvertheidiger über. baupt, er mag dieß nun gerichtlich sein oder nicht. Außerdem bed. auch das Wort im weitesten Sinne: bevoUmächtigter Geschäftsführer für einen Andern. Der Anwalt, ahd. der anawalto, neben ahd. anawalt Schutz (Otfr. II, 11, 24.), von ahd. anawaltan = süßende Gewalt ausüben, bed. zunächst Bevollmächtigter rechtlich für einen Andern zu bandeln" (Schmeller IV, 72.), sogar amtlicher Gemeindevorsteher(Vocabular. v. 1618.); bann Rechtsbevolls mächtigter"; bei uns aber nur noch: gerichtlicher Rechtsvertheidiger, ein den Rechtshandel eines Andern gerichtlich Führender. Hierfür ift indessen im Gewöhnlichen am üblichsten die fremde Benennung Advocat, das lat. advocatus, wober unser Vogt ahd. fogat, was sowohl amtlicher Stellvertreter, als auch Schugherr und Vertheidiger, Rechtsvertbeidiger bedeutet, in welchem letzten Sinn ebedem auch das oberb. der Fürsprech abd. furisprėhho gesagt wurde. Beigand, Wörterb, d. deutsu. Synonym. II.

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An

1568. Sage. Gerüc t. Überlieferung. ú. Etwas Weitererzähltes, dessen Urheber unbekannt ift. V. Die Überlieferung ist eig. T. . a. ,, förmliche Übergabe in eines Andern Gewalt", dann in einein besondern Sinne, wo das Wort das fremde, bem lat. entnommene ,, die Tradition" ausbrüdlich wies dergibt: mündlich oder schriftlich aus unbefannter Duelle in der Zeitfolge Fortgepflanztes, sei dieß nun eine Begebenheit, oder eine Lehre u. 1. f. So läßt z. B. die römisch - fatholische Kirche neben der Bibel in gleichem Ansehen auch die firchliche Überlieferung, von den Zeiten der Apostel ber unverfälscht erhalten, gelten. Die Sage, ahd. saga, mhd. sage, eig. die Aussage (noch b. Dpik), das was erzählt wird, v. sagen ahd. sagên, bed. dann: mündlich in der Zeitfolge ohne Renntniß des Urhebers fortgepflanzte Beges benheit, Da nun sowohl diese Begebenheit selbst eine erdichtete sein fann, als auch in der mündlichen Fortpflanzung fich leicht Erbichs tung beimischt, so ist Sage gerne slechthin . v. a. ,, mündlich in der Zeitfolge fortgepflanzte erdichtete Erzählung", wie schon mittelniederländ. saghe = Erdichtung (Lantsloot 833.), wober ebens daselbft sonder saghe = in Wahrheit. Unsre deutschen Sagen f. B. haben die Brüder Grimm in zwei Bänden gesammelt. Die Alten hatten Sagen von ihren Göttern und Helben; aber z. B. die Heiligen - Legenden werden in der römisch-fatholischen Kirche nicht als Sagen angesehen, sondern als Überlieferungen. Das Gerücht ist von überlieferung und Sage wesentlich dadurch verschieden, daß das Wort ein zu gleicher Zeit (nicht in der Zeitforge) fortgepflanztes oder vielmehr verbreitetes, in Umlauf gekommenes ungewisses Gerede bedeutet, dessen Urheber verborgen ift (Vgl. das Wort Nr. 1380.). Aus einem Gerüchte fann übris gens leicht durd überlieferung eine Sage entstehen.

1569. Sagen. Beragen. Ü. Wörtlich oder nach Inhalt zu erfennen geben. V. Sagen (S. Nr. 1570.) bez. dieß auges mein und steht sowohl von der sprechenden Person, als auch dem gesprochenen Worte. 3. B. „Das hast Du gesagt, aber was wollen Deine Worte sagen?" Das in seinem be- die Anwens dung des Zeitwortbegriffs auf einen Gegenstand ausdrüdende und jenen nur auf diesen hin beschränkende besagen, mhd. besagen, bed, zunächst ehedem f. v. a. durch Aussage befannt machen, melden (Tristan U. Isolt 4775.); bann oberd. besagen wie niederd. beseggen = beschuldigen, anklagen. überhaupt: ,,wörtlich bestimmt angeben oder ausdrüden", und sofort weiter nach Inhalt (inhaltlid) bestimmt zu erkennen geben, inhaltlich bestimmt ausdrücken" aber beides gerne von gegebenem Unpersönlichem. So kann z. B. ein Brief, ein Wort u. f. w. viel oder wenig besagen oder, allge: meiner und unbestimmter, sagen; aber der Briefschreiber , der Schriftsteller u. f. f. fagen irgend etwas, und nur etwa in alterthümlicher Weise und fanzeleimäßig würde man sagen, daß fie etwas besagen. ,,Meinen besagten Grunda Wieland). Obbelagt = oben wörtlich angegeben oder ausgebrüdt. ,, So

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sollte es beinabe scheinen, als ob das Regentenverbienft eines Nar: renwärters mehr besage, als das eines Fürsten" (Thüm mel).

1570. Sagen. Reden. Spreden. Ü. Vermittelft der Stimme Wörter bervorbringen. V. Spreden, ahd. sprëhhan, mhd. sprëchen, alts. u. agr. sprecan, engl. mit Ausstoßung des r nach der Versegung vor k speak, altfries. sprëka, bed. zunächst 1. v. a. „, tönen“ (gloss. mons. 341.) o), wie auch z. B. Adelung a. d. 1483 zu Augsburg gedruckten, Buch der Natur“ anführt: «Darum spricht eine rauhe Fidel, nit als wol als ein polierte. Dann allgemein : vermittelft der Stimme oder mechanischen Gebrauches der Sprachorgane articulirte Töne und Wörter bervorbringen, Wörter hören lassen. So lernt 3. B. das Kind spreden, wenn es erft Papa und Mama bervorbringt und diese Wörter pridt, aber auch der spricht, welcher seine Vorstellungen und Gedanken vermittelst der Stimme in Wörtern ausdrückt. Davon weiter: ver: mittelft der Stimme Gedanken in Wörtern ausdrüden, z. B. ein Urtheil, den Segen u. . w. sprechen. Daber das Hauptw. die Sprache ahd. diu språhha, mhd. sprâche, agf. spræce, = wört: liche Stimmäußerung: Gedankenäußerung vermittelst der Stimme ; Gesammtheit der Wörter eines Volfes; ebedem aud Besprechung u. a. m.' Reden, ahd. rediôn, redinôn, mhd. reden, arts. rethion, 1. Rede (S. Nr. 226. Anm.), bed. zunächst : ,, fich vermittelft der Stimme in Wörtern äußerna (lat. fari. Graff II, 449.), in welcher Bed. bas Wort bei dem Gebrauche uns edler scheint, als spreden, z. B. wenn wir sagen, daß ein Kind noch nicht reden (= sich in Wörtern äußern ) fönne, wiewohl wieder in baierischer Mundart reden der gewöbnliche Ausbrud ist und preden affectirt flingt (Schmeller III, 51.). Dann aber beb. das Wort : gedankenverbindend in Wörtern vermittelst der Stimme fich äußern, besonders in fortgebender Gedanfenverbindung. So z. B. rebet der Mensch, wenn er zu dem rechten Gebrauche seiner Vernunft fommt, und so redet ein Redner, wenn er seinen Vortrag (icine Rede) bält. Sagen, ahd. sak(gen u. segjan, alts. seggian, niederd. seggen, ags. secgan (aus segjan), altn. segja, schwed. säga, dän. sige, bed. überbaupt: ,, durch Sprachtöne oder Wörter zu erfennen geben", zunächst vermittelft der Stimme, dann allgemein wie ,, nad Inbalt, Ausdruc, Sinn u. dgl. zu erfennen geben“ (S. Fisder, Syn. 159. u. vgl. Ausrede Nr. 263. Vgl. auch Nr. 1569.). 3. B. „Was sagst du? Welches Wort bast du geredet?" (Swiller, Br. V. M.). ,, 3d done dich ; denn sonst würd' ich dir sagen: --. it's edel, so zu reden, wie du spridft?" (Göthe, T. Tasso V, 4.). ,,Wer viel zu sprechen, aber Nichts zu sagen, geschweige recht und gefällig zu sagen weiß, ist ein Úngebildeter“ (Herder b. Eberbard). Wer reden will, muß sprechen fón: nen und zu sagen wissen, was seinen Geist bewegt. Man spricht jemanden (Accusativ) und mit jemanden, man redet mit jemanden und sagt jemanden (Dativ ) etwas. Außerdem unterscheidet fide sagen von den übrigen Ausdrücken, daß es auc), vielleicht nach

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