Imágenes de páginas
PDF
EPUB

Laokoon

ober

Über die Grenzen der Malerei und Boesie.

Υλη και τροπους μιμησεως διαφερουσι.

Πλουτ. ποτ. Αθ. κατα Π. ή κατα Σ. ενδ'.

Mit beiläufigen Erläuterungen verschiedener Runkte

der alten unstgeschichte.

sleent

1 „Sie unterscheiden sich in Gegenständen und Art ihrer Nadahmung.“ Die zitierte Schrift des Plutar. (etwa 50—120 n. Chr.) handelt davon, ob die Athener mehr den Wissenschaften oder den Waffen ihren Ruhm verbanten.

236208

Einleitung des Herausgebers.

Is die Heroenzeit des modernen Geistes erscheint uns das acht

[ocr errors]

glaubt in frohem Selbstvertrauen alle Vorurteile schnell überwinden

und auf geradem Wege zum Tempel der Gewißheit eingehen zu 5 können. Die ganze Fülle des Wissens der vergangenen Jahrhunderte

bleibt lebendiges Gut dieser Generationen. Aber die ungeheuern Gesteinmassen, von den Vorgängern ohne Zwed angehäuft, sollen nun höheren Aufgaben dienstbar werden, indem ihnen eine neue Scheidekunst

das verborgene Gold allgemeiner Erkenntnisse entlodt. Diese neue Kunst 10 heißt die Kritik. Fyr Organ ist der Verstand, die sondernde und ordnende Geistestraft, geschult in einem Jahrtausend scholastischer Übung.

Die Poesie erschöpft sich in Fabeln, Lehrgedichten, wißigen Liedern und Epigrammen, nüchternen Lustspielen und dem kalten Prunk

ber Alexandrinertragödie. Die bidenden Künste kommen über kon15 pentionelle Anmut in Linie und Farbe, über geschwächte Nachahmung

früherer Muster nicht hinaus. Auch hier, wie in der Religion, sind die Instinkte verkümmert. Kein sicheres Gefühl der Beziehung von Stoff und Form leitet Dichter und Bildner; ratlos klammern sie sich

an den Gebrauch der Alten und lassen, wo dieser die Gilfe versagt, 20 der höchsten Instanz des Zeitalters, der wissenschaftlichen Aritik, die

Entscheidung. Diese sucht der unwillkommenen Aufgabe zu genügen. Sie weiß, daß dem Verstand in dem autonomen Gebiete der Kunst die Rechtsprechung versagt ist, und sie versucht deshalb, um auf ihre allein

seligmachenden Methoden nicht verzichten zu müssen, innerhalb ihrer 25 Gerichtsbarkeit eine neue Instanz aufzurichten, das Gebiet des , un

teren Erkenntnisvermögens", dem sie das Kunstschaffen und Kunstdenken zuweist. So entsteht die neue Wissenschaft der Ästhetik, begründet von Baumgarten und Meier, bereichert von Sulzer und am

meisten von Moses Mendelssohn, der seit 1755 Lessing in dieses Feld 80 hineinführte. Gemeinsam suchten die Freunde in der Schrift , Pope

[ocr errors]

ein Metaphysiker !" (1755) zwischen Dichtung und Philosophie neue Grenzsteine aufzurichten?

Mendelssohn kommt es darauf an, die Quellen und das Wesen des ästhetischen Erlebens richtiger zu bestimmen als die Vorgänger, und er erhebt sich über sie an der Hand der Dubos, Locke, 5 Shaftesbury und Burke, unterstüßt von einem angeborenen und bei dem Mangel klassischer Jugendbildung weniger befangenen Geschmack. Auch ihm ist die Ästhetik noch ein Nebenzweig des logischen Denkens. Fhre Definitionen und Lehrfäße müssen so allgemein sein, daß sie sich ohne Zwang auf jede besondere Aunst anwenden lassen, und er tadelt 10 an Baumgarten, daß er alle seine Beispiele nur aus der Poesie und Beredsamkeit entlehne. Deshalb ist eine Aufmerksamkeit andauernd auch den bildenden Künsten zugewendet. In der Einteilung der Künste geht er von dem Prinzip Baumgartens und Meiers aus, das die Verschiedenheit der von den einzelnen Künsten angewandten Zeichen 15 zugrunde legt. Diese Zeichen sind entweder natürlich oder willkürlich, je nachdem sie dem Gegenstande selbst, seinem inneren Wesen nach, verbunden oder ihm nur nachträglich beigelegt sind. Mendelssohn entwickelt seine Ansichten darüber in den Anmerkungen zu Lessings Laokoon-Entwurf 2. Wenn er auch der Dichtung das ganze Gebiet des Dar- 20 stellbaren offen läßt, so unterscheidet er doch schon zwischen Stoffen, die mehr für die Malerei, und solchen, die mehr für die Poesie geeignet sind.

Die Ergebnisse von Mendelssohns Nachdenken über das Verhältnis der Poesie und der (die bildenden Künste als Gattungsbegriff bezeichnenden) Malerei reihen sich den zahlreichen früheren Aufstel- 25 lungen an, die der eingewurzelten Unklarheit über Stoffe und Mittel der verschiedenen Kunstgattungen entgegentraten. Denn schon im Altertum begann mit dem Paradoxon des Simonides und dem Horazischen „Ut pictura poësis“ die Verwirrung; und seit der Renaissance war jedes Gefühl der Unterschiede beider geschwunden. Die Folge 30 dieser Gleichseßung war ein völlig verwirrtes Urteil bei den Kritikern, eine große Unsicherheit in der Wahl der Gegenstände und ihrer Behandlung bei den Künstlern. Joseph Spence sagte in seinem , Polymetis", kein Ding könne in einer poetischen Beschreibung gut sein, das, wenn man es in einer Statue oder in einem Gemälde darstellte, 35

Bgl. Bb. 3 dieser Ausgabe, S. 295 ff. - 2 Vgl. S. 224 dieses Bandes, Nr. 3.

« AnteriorContinuar »